Urpflaumen-Hecke mitten im Getreideacker

18.11.21

Agroforstsystem für eine klimaresiliente Landwirtschaft am Stiegl-Gut Wildshut

Mehrwöchige Trockenphasen wechseln sich mit Starkregenereignissen ab: Der Klimawandel ist in unseren Breiten angekommen und stellt die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen. Am Stiegl-Gut Wildshut denkt man deshalb heute schon an morgen und schafft mit modernem Expertenwissen Voraussetzungen, um auch in Zukunft ökologisch und ökonomisch nachhaltig wirtschaften zu können. So werden mitten im Braugerstenacker Gehölzer gesetzt, die im gegenseitigen Zusammenspiel mit dem Urgetreide Wachstum, Ertrag und Artenvielfalt fördern.

In einer großangelegten Setzaktion haben Schülerinnen und Schüler der HBLA Ursprung Agroforsthecken aus Urpflaumensorten – im Volksmund besser bekannt als Kriecherl – streifenförmig am Braugerstenacker des Stiegl-Gut Wildshut gepflanzt. Ziel der Aktion ist die Erforschung des Nutzens für eine klimaresiliente Landwirtschaft. „Wenn wir unsere Verantwortung im Hinblick auf eine enkeltaugliche Zukunft ernst nehmen, dann bedeutet das auch, dass wir uns um den Fortbestand bzw. den künftigen Anbau heimischer Rohstoffe kümmern müssen. Der Boden spielt dabei eine wesentliche Rolle, aber auch die Resilienz der Früchte sowie die Artenvielfalt“, erklärt dazu Stiegl-Chefbraumeister Christian Pöpperl, der auch Leiter des Ressourcen-Effizienzteams der Brauerei ist.

Gerüstet für lange Trocken- und Regenphasen
In dieselbe Kerbe schlägt Erdwissenschaftler Konrad Steiner, der das Projekt - gemeinsam mit zwei Kollegen der HBLA Ursprung – wissenschaftlich begleitet: „Eines ist klar: wir müssen uns auch in der Landwirtschaft dem Klimawandel anpassen. Das Agroforstsystem könnte eine von vielen wichtigen Lösungen dafür sein. Die neu angelegten Hecken im Getreideacker bringen dabei folgende Vorteile: In Trockenphasen bildet sich durch den darüber streifenden Wind vermehrt Tau, den die Braugerste zum Überdauern der Trockenphase nutzen kann. Bei Starkregenereignissen hingegen können gut durchwurzelte Bodenbereiche das viele Wasser besser aufnehmen und speichern“, erklärt der Biologe. Direkt bei der Hecke - in etwa eineinhalbfacher Heckenhöhe - bildet sich zwar eine Verlustzone durch Schatten und Laub, danach geht aber die Gewinnzone los. „Zwischen den beiden Heckenstreifen wird am Braugerstenacker ein Mikroklima entstehen, das die Feldfrüchte besser dem Klimawandel trotzen lässt. Betrachtet man den Acker insgesamt, dann ist der Gesamtertrag über die Jahre gemessen höher. Das belegen auch Studien aus Deutschland, Schweiz, Frankreich“, weiß Peter Schwaiger, HBLA-Lehrer für Umwelt- und Ressourcenmanagement.

Artenvielfalt schützt den Acker
Biolandwirtschaft und Artenvielalt gehören zusammen, ergänzen und nutzen sich gegenseitig. Deshalb braucht die Landwirtschaft ein Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen. „Je vielfältiger die Artenvielfalt, desto ausgewogener ist dieses System. Die Biodiversität profitiert durch neue Blühangebote, Nistmöglichkeiten, neuen Lebensraum. Hecken im Acker fördern massiv die Artenvielfalt. Von zahlreichen Insekten, Vögel und Reptilien über Kleinsäugetieren bis hin zu jagdbarem Wild finden hier unterschiedlichste Lebewesen ihren neuen Lebensraum“, weiß Schwaiger und sein HBLA-Lehrer-Kollege für Forstwirtschaft Franz Keil fasst zusammen: „Artenvielfalt oberhalb des Bodens ist notwendig für Artenvielfalt im Boden. Artenvielfalt im Boden stärkt die Bodengesundheit. Hecken verhindern Bodenerosion.“

Monitoring durch angehende Umwelt- und Ressourcenmanager
Die Schülerinnen und Schüler der HBLA Ursprung haben deshalb eine 300 Meter lange Urpflaumenhecke zeitgleich am Getreideacker des Stiegl-Gut Wildshut und – quasi als Vergleichsstudie – auch am Acker der Schule in Ursprung gesetzt. „Das hat den Vorteil, dass die angehenden Landwirte bzw. Umwelt- und Ressourcenmanager der HBLA noch viel einfacher den Nutzen des Agroforstsystems für Getreide direkt vor der Schule erforschen können. Mit der Hecke in Wildshut haben wir dann einen unabhängigen Vergleich. Die Messergebnisse werden durch das laufende Monitoring besser“, erläutert Konrad Steiner. Bereits vor drei Jahren wurden für das Projekt 55 alte Kriecherlsorten zur Vermehrung in Auftrag gegeben – mit dem zusätzlichen Nebeneffekt, dass damit der wertvolle Gen-Pool dieser regionalen Fruchtsorten erhalten bleibt. Die Urpflaumen-Hecke wird mit Mitteln der Naturschutzabteilung des Landes Oberösterreich gefördert. Insgesamt wird das Projekt vom Stiegl-Gut Wildshut finanziert. „Stiegl unterstützt gerne auch die Lehre an der HBLA Ursprung. Denn wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen, dann ist auch eine nachhaltige Wissensvermittlung für künftige Generationen in der Landwirtschaft wichtig“, erläutert Christian Pöpperl. Neben dem höheren Ertrag an Braugerste freut man sich am Stiegl-Gut Wildshut auch auf die Ernte der Urpflaumen: Zum Naschen, für Marmeladen, Liköre, zum Dörren oder für Edelbrände – der Wildshuter Kråmerladen wir auf jeden Fall Sortiments-Zuwachs bekommen.

Nachweislich nachhaltig
Der Leitspruch in Österreichs führender Privatbrauerei lautet seit rund 530 Jahren „Was du tust, das tue ganz“. Unter dieser Maxime widmet man sich auch intensiv dem Thema Nachhaltigkeit. Die Themen „Bodengesundheit“ und „Sicherung nachhaltiger Rohstoffe“ nehmen dabei eine zentrale Rolle ein. Und so startete Stiegl gemeinsam mit 71 Gerstenbauern der Erzeugergemeinschaft Zistersdorf 2017 ein zukunftsweisendes Bodengesundheitsprojekt, dessen ganzheitliche Wirkung mittlerweile belegt ist. Zudem wurde die „Stiegl-Braugerste“ nach den sogenannten SAFA-Leitlinien der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen evaluiert, analysiert und für besonders klimaschonend befunden. Neben der Sommergerste spielt für Stiegl und die EGZ-Bauern seit vielen Jahren auch der Anbau der robusten Winterbraugerste eine wichtige Rolle. Dadurch lässt sich die Fruchtfolge garantieren, die für die Bodengesundheit ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. All diese Maßnahmen und der verantwortungsvolle Umgang mit den Ressourcen bei Stiegl lassen sich seit 1990 höchst transparent in einem jährlichen Nachhaltigkeitsbericht nachlesen.

Pressebild 1: Schüler Daniel Grömer, Chefbraumeister Christian Pöpperl, Schülerin Hannah Brandstätter und Peter Schwaiger (Lehrer für Umwelt- und Ressourcenmanagement) bei der Heckenpflanzung an der HBLA Ursprung.

Pressebild 2: Schüler Daniel Grömer, Chefbraumeister Christian Pöpperl, Peter Schwaiger (Lehrer für Umwelt- und Ressourcenmanagement) und Schülerin Hannah Brandstätter bei der Heckenpflanzung an der HBLA Ursprung.

Pressebild 3: Die beiden Schülerinnen Juliana Fallenegger (stehend) und Victoria Wackerle pflanzten gemeinsam mit ihren KollegInnen am Getreideacker des Stiegl-Gut Wildshut eine 300 Meter lange Urpflaumenhecke.

Bildnachweis (3): www.neumayr.cc/Leo, Abdruck honorarfrei!

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